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Die verblüffenden Dabbawalas von Mumbai

Monique Hartmann. 25 Januar , 2019.   0

Einfach, hart arbeitend und gottesfürchtig – die Dabbawalas von Mumbai, die den Bewohnern ihr Essen stets zur rechten Zeit bringen, haben ein Herz aus Gold.

Ein Dabbawalla, der durch die Straßen von Mumbai fährt und den Arbeitern in Mumbais Bürogebäuden Mittagessen liefert. Die Mittagessen werden zu Haus gekocht und verpackt und von den Dabbawalla`s gesammelt und ausgeliefert © Foto von Thurtell / istock

Babu arbeitet seit fast 40 Jahren mit Hercules. Die beiden sind untrennbar miteinander verbunden. Trotz ihrer zunehmenden Gebrechlichkeit haben Babu und sein 1968er Raleigh Hercules Touring-Fahrrad zusammen schon über 240.000 km zurückgelegt, indem er in den verstopften Hauptstraßen und chaotischen Nebenstraßen für seinen Lebensunterhalt in die Pedale trat.

GLÄNZENDE BOXEN VOLLER GENUSS
Als professioneller Dabbawala ist Babu Mitglied in Mumbais Dabbawala Association. Mit seinen 70 Jahren und mit der Hilfe seines etwa 30 Jahre alten Fahrrades, legt er immer noch 32 km an einem normalen Arbeitstag zurück. Er verlässt sein Haus um 5 Uhr  und kehrt um 21 Uhr zurück. Dabbas, wie sind auf Marathi oder Hindi genannt werden, sind gewöhnlich aus Metall gefertigte Boxen (vergleichbar mit einem Henkelmann), die von privaten Haushalten in der ganzen Stadt eingesammelt werden. Bereitgestellt werden sie von Ehefrauen, Müttern, Großmüttern, Töchtern oder Nichten und an jedem Arbeitstag an den Arbeitsplatz ihrer Familienmitglieder geliefert.

Mehrere Tiffin- Boxen sicher auf einem Fahrrad befestigt © Foto von JHMimajing / shutterstock

DER ÄLTESTE LIEFERSERVICE
Dabbawalas mit Boxen, die überall auf dem Fahrrad festgebunden sind, sind eine der häufigsten Erscheinungen in Mumbai. Sie können diese Männer fast überall sehen. Sie sind einer der größten Lieferdienste der Welt, sagt Babu, der in der dritten Generation Tiffin-Boxen ausliefert. „Dabbas zu liefern, ist eines der ältesten Cateringsysteme der Welt. Es ist eine Ehre in dieser ikonischen Stadt als Lieferant für das Mittagessen zu arbeiten.“

Eingehüllt in weißer, traditioneller Kleidung aus Maharashtra, abgerundet mit einer Mütze – so sieht man die Dabbawalas, wenn sie ständig riesige Stiegen voller Dabbas (Lunchboxen) in den lokalen Eisenbahnlinien von Mumbai tragen. Obwohl es anfangs chaotisch aussieht, erlebt man tatsächlich ein weltbekanntes Kurierphänomen, das nicht von Managementleuten entwickelt wurde, sondern von Leuten, die kaum Bildung haben. Hier sind ein paar Fakten über alles, was man über die legendären Dabbawalas wissen muss.

Dabbawallas laden Tiffin-Boxen auf ihre Fahrräder, bevor sie sie in die Büros in Mumbai, Maharashtra, Indien bringen © Foto von arun sambhu mishra / shutterstock

 

Die Geschichte der Dabbawalas
Dabbawalas ist nicht der Name einer Firma. Wörtlich übersetzt heißt dieses Hindiwort „Lunchbox-Leute”. Die Firma wurde 1890 (vor 126 Jahren) von einem Gentleman namens Mahadeo Havaji Bachche gegründet. Er gab seinem Unternehmen den Namen Nutan Tiffin Company.

Das späte 19. Jahrhundert war eine Zeit, in der Mumbai stark wuchs und es neue Beschäftigungsmöglichkeiten in Hülle und Fülle gab. Die Menschen reisten aus den Vororten ins Herz der Großstadt und Mittagessen von Zuhause war ein Problem. Zu der Zeit war Gas zum Kochen nicht überall in der Stadt erhältlich und deswegen wurde viel mit Feuerholz gekocht, was sehr viel Zeit in Anspruch nahm. Das bedeutete für die Hausfrauen, dass sie das Essen für ihre Männer im Büro nicht rechtzeitig kochen und hinbringen konnten.

Mahadeo sah in dem Dilemma der Hausfrauen eine Gelegenheit und eröffnete sein Unternehmen mit nur 100 Kunden. Zu dieser Zeit wurden die Dabbas entweder mit dem Fahrrad, mit einem Handkarren, einer Tanga (eine Art Pferdekarren) oder mit einem Ochsenkarren geliefert. Heute kann die Welt sehen, zu was das in einer kurzen Zeitspanne herangewachsen ist.

Ein Dabbawalla, der Tiffin- Boxen für Lieferung am Churchgate- Bahnhof, Mumbai, Indien entlädt © Foto von JHMimaging / shutterstock

DAS LEBEN EINES DABBAWALAS
Sobald ein Mann ein Dabbawala wird, entrichtet er eine Spende, die ihm eine monatliche Zahlung von etwa 5000 Rupien und Gesundheitsvorsorge und Bildung für seine Kinder garantiert. Auf diese Weise sind sie unabhängige Kleinunternehmer.

Mumbais öffentlicher Nahverkehr ist, abgesehen von ihren Fahrrädern, das wichtigste Transportmittel für Dabbawalas. Der Service durchkreuzt die Stadt mit ihren 20 Millionen Einwohnern über komplizierte Routen, auf denen die Boxen am Morgen von den Türschwellen eingesammelt werden und am Mittag bis zu den Schreibtischen in den Stadtbüros geliefert wird. Manchmal ist eine Tiffin-Box 60 km in einer Richtung unterwegs. Um 14.30 Uhr werden die Boxen wieder eingesammelt und zurück zum Sammelpunkt gebracht. „Mit militärischer Genauigkeit wird auf den zeitlichen Ablauf geachtet. Koordination und Teamwork ist dabei das Wichtigste“, berichtet Babu. „In Mumbai sind wir Dabbawalas die Könige der Straßen. Wir sind hier um allen Bewohnern Mumbais zu dienen. Unsere Kundschaft reicht von Führungskräften in der Ölbranche in Nariman Point über Börsenmitarbeiter bis hin zum einfachen Mann.“

DEN CODE ENTSCHLÜSSELN
Babu liefert am Tag etwa 50 Lunchboxen aus und eine dieser Boxen kann bis zu zehn Mal den Lieferanten wechseln, bevor sie an ihrem Bestimmungsort ankommt. Daher ist jede Dabba mit einer bestimmten Farbe und einem Zahlencode versehen. Babu deutet auf eine der Boxen und erklärt: „Hier haben wir zum Beispiel die Nummer  K-BO-1O-19/A/15. K ist das Kürzel für den Dabbawala oder Lieferanten, BO bedeutet Borivali, also die Gegend, in der die Tiffin eingesammelt wird, 10 ist der Code für Nariman Point, also das Zielgebiet und 19/A/15 bedeutet 19. Gebäude und 15. Stock – ganz einfach!”

Zwei Dabbawalla`s, die auf einer Bank sitzend eine Pause machen und ihre Handy`s überprüfen © Foto von Sharika Kaul / shutterstock 

HOHE NACHFRAGE
In Mumbai arbeiten täglich etwa 5000 professionelle Dabbawalas. „Für unsere Kunden ist es günstiger für eine Dabba zu zahlen, als täglich im Restaurant zu essen, daher hört die Nachfrage nach Dabbawalas nie auf. Das beweist, dass das Althergebrachte das Beste ist“, schließt Babu. Er zieht den

 There are approximately 5,000 professional dabbawalas operating every day in Mumbai. “It is cheaper for our customers to pay for dabba as compared to eating at a restaurant every day and hence, the demand for dabbawaLas will never end. This just proves that old ways are the best!” concludes Babu. Mit diesen Worten zieht er noch einmal die Griffe des Lenkers seines Hercules fest uns radelt davon.

Ein Dabbawalla, die Lunchboxen auf dem Kopf tragend, am Churchgate-Bahnhof in Mumbai, Maharashtra © Foto von arun sambhu mishra / shutterstock

Obwohl das recht simpel klingt, sind hier ein paar Statistiken, die Ihnen die Sprache verschlagen werden:

• Jeden Morgen werden etwa 1,7 bis 2 Millionen Dabbas (Lunchboxen) eingesammelt

• Dieser Service wird an sechs Tagen pro Woche, an 51 Wochen im Jahr angeboten – ohne Ausfälle

• Im ganzen Jahr kommt es zu weniger als 300 Fehlern

• Der Service kostet nur 600 Rupien pro Monat (das sind nicht einmal 10 Euro)

 • Dabbawalas wurden schon in Shows wie ‘Ripley’s Believe It or Not’ und ‘Top Gear’ gezeigt

• Die meisten Dabbawalas haben ein Reservefahrrad für den Fall, dass jemand beschließt, ihr Lieferrad zu stehlen.

• Es gibt auch ein paar Frauen, die Essen ausliefern. Sie weren Maushis genannt!

Ein Dabbawalla, der einen mit Tiffin-Boxen beladenen Wagen durch eine Straße am Churchgate-Bahnhof in Mumbai, Maharashtra, schiebt © Foto von arun sambhu mishra / shutterstock

Was macht die Dabbawalas so besonders?
Überlegen Sie – die Dabbawalas sind eine Six Sigma zertifizierte Organisation. Diese Zertifizierung wird nur an Organisationen gegeben, die außergewöhnlich niedrige Fehlerraten haben. Unternehmen geben bekannterweise sehr viel Geld aus, um diesen Genauigkeitsgrad zu erreichen. Aber die Dabbawalas sind eine gänzlich andere Unternehmung. Fast alle von ihnen sind entweder nur gering oder überhaupt nicht gebildet.

Die Dabbawalas haben mit Hilfe ihrer innovativen Methoden Antworten auf alle geschäftlichen Hürden gefunden. Da viele nicht lesen und schreiben können, ist jede Lunchbox farblich markiert und hat Codes und Nummern, die zeigen, welches Büro beliefert werden muss. Stellen Sie sich eine Erfolgsbilanz von einem Fehler pro 8 Millionen Lieferungen vor. Das ist mit Sicherheit eine riesige Leistung!

Anerkennung für Dabbawalas
Dabbawalas werden national und international anerkannt. Sie wurden von Forbes und der New York Times erwähnt. Das Indian Institute of Management Ahmadabad und die Harvard Business School haben umfangreiche Fallstudien über die Effizienz der Dabbawalas geschrieben. Persönlichkeiten wie Prinz Charles und Richard Branson haben öffentlich erklärt, dass sie Fans der Dabbawalas sind. Natürlich ist die indische Filmindustrie dabei auch nicht weit. Es gab sogar einen Film mit Bezug auf ihren Service. Der Film heißt treffenderweise „Lunchbox”.

DER EDLE ZUG
Obwohl die Tätigkeit der Dabbawalas nicht besonders technisiert ist, sind Textnachrichten allgegenwärtig.
Einige Dabbawalas haben Werbung für Marken und Firmen auf ihren Rädern und fungieren so als mobile Werbetafeln. Auch wenn die Dabbawalas technisch nicht sonderlich versiert sind, so haben sie doch ein Herz aus Gold. Während ihres jährlichen Aufenthalts in Jejuri in der Nähe Pune, engagieren sich viele von ihnen ehrenamtlich ohne deswegen viel Aufhebens zu machen. Außerdem stellen sie Geld für heilige Plätze wie Bhimashankar, Alandi, Jejuri und Pandharpur bereit.

Die Zukunft der Dabbawalas
Die Dabbawalas sind jetzt weiter vorangeschritten und wollen eine eigene Firma gründen, mit der sie Milch, Gemüse und andere Lebensmittel zur Verfügung stellen wollen. Sie haben sich für den Kurierdienst bereits mit dem E-Commerce Giganten Flipkart verbündet. Ihr Service hält mit der Zeit Schritt und ist heute sogar online!

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