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GROSSE LEBENDIGE TEMPEL DER CHOLA-DYNASTIE – Weltkulturerbe

Monique Hartmann. 24 Januar , 2019.   0

GROSSE LEBENDIGE TEMPEL DER CHOLA-DYNASTIE – Das Erbe der Chola-Dynastie erhält Traditionen am Leben

Die Chola-Tempel mit ihrer prachtvollen Architektur und ihren großartigen Skulpturen, Malereien und Bronzefiguren sind Zeugen der Errungenschaften der königlichen Chola-Dynastie.

 

Die exquisiten Skulpturen und die komplexen Steinmetzarbeiten an den Wänden der Tempel stellen das reiche Erbe der Cholas dar. Dank einer Folge von mächtigen Herrschern, sind diese Tempel in Südindien von den muslimischen Invasoren verschont geblieben, und ihre bauliche Struktur war so hervorragend, dass sie auch den Zahn der Zeit überdauert haben.

Die drei Tempel, die von den Königen der Chola-Dynastie über einen Zeitraum von 250 Jahren in Thanjavur (Tanjore), Gangaikondacholapuram und Darasuram  im Dravida-Stil gebaut wurden, gehören zu den wenigen Tempeln des Altertums, die immer noch in voller Größe und Pracht aufrecht stehen und somit die Tradition am Leben erhalten.

Diese drei Tempel gehören zum Weltkulturerbe der UNESCO  und haben sich den Ehrennamen der „Großen lebendigen Chola-Tempel“ verdient. Traditionelle Rituale und Feste haben die Geschichte und Mythen wachgehalten, nachdem der Friede und die Ruhe der alten Städte schon längst in den Nebeln der Vergangenheit versunken sind.

Wunderschöne Aussicht auf alten Hindu Sri Brihadeeswara Tempel in Thanjavur (Tanjore), Tamil Nadu. Es ist eines der wichtigsten Monumente der Chola Empire © Natalia Davidovich / Shutterstock 

Der Brihadishvara-Tempel

Der Brihadishvara-Tempel, auch Periya Kovil genannt, wurde im Jahre 1010 unter Rajaraja I gebaut und ist der größte und höchste Tempel im Land. Deshalb hat er den Beinamen „der Große Tempel“ bekommen. Die Architektur des Tempels ist ein großartiges Zeugnis der künstlerische Geschicklichkeit der Baumeister des Chola-Reiches.

Eine Geschichte aus der Mythologie erzählt, wie der indische Gott Shiva in einem Versuch, einen Streit zwischen dem Gott Vishnu und dem Gott Brahma zu schlichten, die Form eines „Lingodbhav“, einer furchterregenden Feuersäule, angenommen hat, um zu zeigen, wer der Größte war, und um damit den Stolz der anderen zwei zankenden Gottheiten zu brechen. Diese und viele andere solcher Geschichten sind auf der Außenmauer des Tempels dargestellt.

Chola-Fresken, die den Gott Shiva in verschiedenen Posen darstellen, schmücken die Wände des Tempels. Er ist der erste ganz aus Granit gebaute Tempel der Welt. Es heißt, dass für seinen Bau ca 60 000 Tonnen Granit verwendet wurden. Die Erhabenheit und die riesenhaften Ausmaße des

Hindu-Pilger in traditioneller indischer Kleidung betreten den Brihadeeswara Hindu-Tempel in Tanjore, Tamil Nadu © Ailisa / Shutterstock 

Brihadishvara-Tempels sind auf den ersten Blick sichtbar, wenn man sich der äußersten Festungsmauer mit dem kunstvoll verzierten Gopuram-Tor nähert. Ein zweiter Gopuram (Torturm), zu dessen beiden Seiten 15 Fuß (ca. 4,50 m) hohe, monolithische Dvarapalas, die Wächter des Tempels, stehen, führt in die Tempelanlage. Ein enormer, 13 Fuß (ca. 4 m) hoher Nandi-Stier, der aus einem einzigen Stein gehauen ist, sitzt dem Tempel gegenüber. Der pyramidenförmige Turm des Tempels ist unvorstellbare 198 Fuß (ca. 60,35 m) hoch. Der Anblick des 16 Stockwerke hohen „Vimana“ (mehrfach gestufter Turm), der in einem 20 Tonnen schweren Schlussstein endet ist beeindruckend genug, um uns die Sprache zu verschlagen. Im Inneren zeigen verblichene Fresken an Decken und Wänden Szenen aus den Epen Ramayana und Shiv Purana. Eine weitere einmalige Besonderheit dieses Tempels ist der 29 Fuß (8,84 m) hohe Shivlinga (Shiva-Phallus) im inneren Allerheiligsten. Er ist der größte seiner Art. Beeindruckend sind auch die sechs Fuß (1,83 m) hohen Abbilder der Ashta Dikpaalas, der Wächter der acht Himmelsrichtungen.

Während der Mattu-Pongal-Feier wird der steinerne Nandi mit Tonnen frischen Obstes und Gemüses geschmückt, und ein besonderes Yajna-Ritual wir zelebriert für das Wohlergehen der Rinderherden.

Chola-Tempel bei Gangaikonda Cholapuram Thanjavur Tamil Nadu, Indien © Harikesh PK / Shutterstock

Der Gangaikonda-Cholapuram-Tempel

Zwei Stunden von Thanjavur entfernt liegt Gangaikonda Cholapuram, eine Stadt, die Rajendra Chola im Andenken an seinen siegreichen Marsch zum Fluss Ganges im Norden gründete. Der Tempel, der im Jahr 1035 fertiggestellt wurde, ist in der Bauweise dem Tempel in Thanjavur ähnlich, aber er ist kleiner. Er ist berühmt für den größten Shivalingam in Südindien.

An den Tempelmauern ist die seltsame Geschichte von König Banasura dargestellt, der durch widrige Umstände davon abgehalten wird, zum Ufer des heiligen Ganges zu reisen. Er gibt aber nicht so schnell auf und tut Buße, um der Flussgöttin gefällig zu sein. Dann bittet er sie, im Brunnen zu erscheinen. Und tatsächlich sprudelt wie durch ein Wunder Wasser im Brunnen. Dieser Brunnen wurde später durch einen Torweg in der Form eines sitzenden Löwen überbaut.

Es gibt etwa 50 sechs Fuß (1,83 m) hohe Skulpturen in Nischen in der Außenmauer des Heiligtums, die die verschiedenen Erscheinungen des Gottes Shiva darstellen. Der Shivalinga im Allerheiligsten ist 18 Fuß (5,50 m) hoch und der steinerne Nandi 11 Fuß (3,35 m), also viel kleiner als die in Brihadeshwara.

Von den kleineren Schreinen der Anlage ist nur der der Göttin Mahishasur Mardini gut genug erhalten, um für Zeremonien benützt zu werden. Einige zerbrochene Götterstatuen kann man noch auf einer erhöhten Plattform finden. Sie erinnern uns an die Fülle der Kunst dieser Zeit. Die Hauptfestlichkeiten des Jahres finden in Thanjavur statt, aber dieser Tempel genießt aufwendige Prozessionen währen der Shivratri- und Thiruvadirai-Feste.

Tamilische Frau in traditioneller indischer Kleidung am Eingang zum Airavatesvara Tempel, Darasuram, Tamilnadu © Ailisa / Shutterstock 

Der Airavatesvara-Tempel

Der Anblick eines Mandapam (Säulenhalle) in Form eines Wagens mit Steinrädern und aus Stein gehauenen Pferden fasziniert jeden Besucher. Dieser Tempel ist viel kleiner als der Brihadeshwara- und der Gangaikondacholapuram-Tempel. Er wurde 1162 unter Raja Raja II gebaut und sein Turm ist 80 Fuß (ca 24,40 m) hoch. Der Tempel ist aber eine Schatzkammer voller feiner, kunstvoll gemeißelter Skulpturen. Die Idee hinter dieser kunstvollen Gestaltung war, dem Besucher „nitya vinod“, d.h. immerwährende Unterhaltung zu verschaffen.

Und dieser Tempel verwirklicht diese Idee definitiv. Kleine Steintafeln an der Wand stellen sowohl Geschichten aus dem Ramayana, dem ShivPurana und verschiedene ander mythologische Geschichten als auch Tanzhaltungen und Blumenmotive dar. Das Mandapam, also die Eigangssäulenhalle in Form eines Wagens, hat 100 Säulen, an denen jeder Zenimeter verziert ist. Auch die Decke des Mandapam ist künstlerisch ausgestaltet, und acht grimmige Yalli, diese mythologischen Kreaturen, die Merkmale von fünf verschiedenen Tieren in sich vereinigen, stehen am Eingang des Mandapam Wache.

Aber überraschenderweise sind die Innenwände des Hauptschreins kahl und düster. Der Gedanke dahinter ist, dass der Gläubige, sobald er das Allerheiligste betritt, sich auf seine Gebete konzentrieren muss.

Der Gott Shiva ist hier der Airavatesvara, der Gott des Airavat, des einzigen weißen Elefanten und Reittieres des Gottes Indra. Die indische Mythologie erzählt, wie Airavat einst eine Girlande, die der große Weise Durvasa ihm geschenkt hatte, wegwarf und darauf herumtrampelte. Das erzürnte den Weisen so, dass er den Elefanten verfluchte und seine Haut so schwarz wie die der anderen Elefanten machte. Airavat ging darauf du Shiva und bat um Vergebung. Shiva gab ihm seine frühere Pracht und Schönheit zurück und stellte damit seinen heiligen Namen wieder her. Wenn die großen Mengen der Gläubigen für das Shivrati-Fest zu diesem Tempel strömen, bringen sie auch ihm besondere Gebete dar. Hier lernen sie die vielen verschiedenen Gestalten kennen, die Shiva annehmen kann, und hören neue Geschichten von ihm, die ihnen bisher unbekannt waren.

Alle drei Tempel sind lebendig, d.h. uralte vedische Rituale werden hier zelebriert und die Gottheiten werden jeden Tag angebetet. Aber auch der Besucher kann eine lebendige, kunstvolle Zeremonie miterleben: die Priester gießen Milch, Honig, Wasser und andere Gaben über den Shivalinga, religiöse Gesänge werden gesungen, und die Gläubigen beten ernsthaft zu der Gottheit. Das Allerheiligste ist dunkel, und nur ein schwacher Abglanz des Sonnenlichts erleuchtet den Shivalinga. Die einzige Lichtquelle innerhalb des Allerheiligsten ist die Spiegelung der Sonnenstrahlen auf dem Nandi-Stier draußen.

 

Schlussbemerkung

Traditionelle Tempel haben schon von alters her eine besondere Anziehungskraft gehabt. Ob die Gottheiten in kunstvollen Miniaturen in Stein gehauen sind oder auf oft verblichenen Wandbildern erscheinen, sie verherrlichen ihren Schöpfer und verzaubern den Betrachter. Sie stellen wohl die Quintessenz unserer indischen Identität dar, berühren eine Saite unseres gemeinsamen Erbes und unseres kulturellen Ethos in uns und schaffen ein Gefühl der Zugehörigkeit. Es ist egal, woran man glaubt oder welcher Religion man folgt. Diese großartigen Gebäude schaffen in uns eine Gelassenheit der Seele und Demut des Geistes. Und genau das werden Sie empfinden, wenn Sie diese Großen Tempel der Chola-Dynastie besuchen.

ausgegrabene Skulpturen aus dem 10. Jahrhundert in Brihadeshvara Tempelanlage von Gangaikonda Cholapuram, Tamil Nadu © Reality Images / Shutterstock 

 

EINIGE ERSTAUNLICHE FAKTEN

Im Tempel von Brihadeshware in Thanjavur findet man in Stein gehauene Bilder von „Narakis“ (Tänzern), die 81 der 108 „Karanas“ (synchronisierte Bewegungen der Hände und Füße) des Bharatntyam-Tanzes zeigen.

Im Jahre 1987 wurde der Brihadisvara-Tempel in die Liste des UNESCO Weltkulturerbes aufgenommen. 2004 wurden dann der Airavatesvara-Tempel in Darasuram und der Gangeikondachalisvarem-Tempel ebenfalls der Liste hinzugefügt. Die gesamte Anlage ist jetzt als die „Großen lebendigen Chola-Tempel“ bekannt.

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