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Angst und Mystik – Entschlüsselung der Aghori Sadhus von Varanasi

Monique Hartmann. 25 Januar , 2019.   0

 „Bei der indischen Mystik schwingt immer etwas Angst mit, aber die Aghori Sadhus sind die Personifizierung dieses Gefühls. Der bloße Anblick ihrer Asche bedeckten Körper und der Dreadlock-Haare geben denen, die sich ihnen nähern, ein Gefühl von Abneigung und Angst. Aber vor allem erregen sie eine große Neugierde bei ihren Betrachtern. Lassen Sie uns ihr Leben etwas genauer beleuchten und sehen, warum sie so sind, wie sie sind.“

Aghori Sadhu (heiliger Mann) sucht auf den Straßen nach Almosen © Zzvet

Die Lebensart der Aghoris verstehen
Indien ist ein spirituelles Land und Verzicht wird als wichtigster Pfad zum ultimativen Frieden des menschlichen Geistes angesehen. Verzicht kann aber für verschiedene Menschen verschiedenes bedeuten. Für die Reichen könnte Verzicht die Aufgabe des Reichtums und für die Armen könnte es die Aufgabe des Strebens nach Reichtum bedeuten.

Aghoris bringen Verzicht durch Verzicht auf Ekel aber auf ein ganz anderes Niveau. Ja, Ekel! Sie tun das, indem sie ihr Ekelgefühl eliminieren. Ihr Pfad gibt vor, dass sie alles genießen sollen, was Menschen als eklig empfinden. Die Logik ist einfach – wenn ekelhafte Dinge zur Norm werden, sind sie nicht mehr eklig. Hier sind ein paar Praktiken, denen Aghoris nachgehen.

Aghori Naga Sadhus

Das undenkbare Essen
Hier kommen der Ekel und die Widerwärtigkeit für normale Menschen wie uns nicht zu kurz. Die Aghoris laben sich an verwesenden Leichen, Tierurin und -kot und verrottender Nahrung. Das Behältnis, das sie zum Essen verwenden, ist oft ein menschlicher Schädel!

Wenn Sie denken, dass das nur eine reine Perversion ist, dann denken Sie nochmal nach. Welches Ego würde Ihr Herz einnehmen, wenn Sie Tierkot gegessen hätten? Durch das Essen von undenkbaren Dingen sind Aghoris dazu in der Lage, auf ein Level runterzugehen, auf dem es keine Grenzen gibt. Nennen Sie es extreme Bescheidenheit!


Ein junger Aghori-Anhänger (asketische Hindu-Shiva-Sadhus) segnet seine menschlichen Schädel im Morgenlicht am Fluss Ganges in Varanasi © Jedraszak

Erlösung durch Gotteslästerung
Fragen Sie einen Aghori Baba nach seinem Segen und Sie werden höchstwahrscheinlich mit erstklassiger Obszönität verflucht. Es gibt keinen Zweifel daran, dass Sie über so ein Verhalten wahrscheinlich bestürzt sein werden. Aber noch einmal – dieses Verhalten hat einen tieferen Sinn. Es ist ein Akt des Hochwürgens von allem Weltlichen, das in der Tiefe des Herzens ist. Manche vollkommenen Aghoris wie Dhuniwale Baba sind dafür bekannt, sogar Kot als Segen zu werfen.

Haschisch (Marihuana) rauchender Sadhu © Victoria Chukalina​​​​​​​

Marihuana für yogische Konzentration
Aghori Sadhus sind dafür bekannt, Experten in Yoga und der yogischen Lebensweise zu sein. Dazu gehört intensive Meditation und Konzentration. Es gibt kaum einen Aghori, der seine yogischen Anstrengungen nicht mit Marihuana ergänzt. Die Babas betrachten die durch Marihuana ausgelösten Halluzinationen als göttliche Ekstase, die ihnen durch eine höhere Macht gegeben wurde und die sie in die metaphysische Welt bringen soll.

Kannibalismus als Lebensstil
Sie finden es vielleicht entsetzlich, aber Aghoris sind dafür bekannt, ihre Hände in den Scheiterhaufen zu stecken, Körperteile herauszuziehen und davon zu essen. Keiner wagt es, ihr Handeln in Frage zu stellen, nicht einmal die Angehörigen des Toten auf dem Scheiterhaufen. Solch ein Handeln wird als „akzeptierte Norm“ von denen betrachtet, die den Lebensstil der Aghoris kennen.

Aghori Babas sind Anhänger von Gott Shiva und der Gottheit Kali, die beide oft selbst in furchterregenden Formen porträtiert werden. Es ist schwer zu verstehen, warum sich ein gewöhnlicher Mensch den Lebensweg eines Aghori zur Erlösung auswählt. Aber man kann nicht bestreiten, dass sie an kompletten Verzicht glauben – sie gehen sogar soweit, dass sie nur minimale oder gar keine Kleidung tragen!

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