Das Airavatesvara Tempels In Darasuram
Faszinierende Elefanten-Schnitzereien
Shiva und die Kunst der Chola-Tempel
Nandi-Mandapa und singende Stufen
Eine berührende Legende
Der Airavatesvara Temple in Darasuram ist ein faszinierendes UNESCO-Weltkulturerbe und zählt zu den berühmten Great Living Chola Temples.
Er gehört zu den drei großen Tempeln, die zwischen dem 10. und 12. Jahrhundert während der Blütezeit der Chola Empire errichtet wurden. Die beiden anderen befinden sich in Brihadisvara Temple, Thanjavur und Brihadisvara Temple, Gangaikonda Cholapuram.
Der Tempel ist dem Gott Shiva geweiht, der hier als Airavatesvara verehrt wird. Der Legende nach betete Airavata, der strahlend weiße Elefant des Götterkönigs Indra, an diesem heiligen Ort zu Shiva. Auch Yama, der Gott des Todes, soll hier um göttlichen Beistand gebeten haben.
So verbindet der Airavatesvara-Tempel auf eindrucksvolle Weise außergewöhnliche Architektur, lebendige Mythologie und über 800 Jahre spirituelle Tradition.

Skulpturen in der Nataraja-Mandapa – Kunstvoll gearbeitete Steinfiguren schmücken die Nataraja-Mandapa des Airavatesvara Temple. Die Halle dient heute als kleines Museum und bewahrt eindrucksvolle Zeugnisse der Chola-Kunst. © Shutterstock
Faszinierende Elefanten-Schnitzereien
Der Airavatesvara Temple verdankt seinen Namen nicht nur einer Legende, sondern auch den eindrucksvollen Elefantendarstellungen, die die Balustraden entlang der Treppen schmücken.
Die kunstvoll gemeißelten Elefanten wirken, als würden sie den gesamten Tempel auf ihren mächtigen Rücken tragen. Direkt hinter ihnen erscheinen Pferde mit Rädern, wodurch der Tempel den Eindruck einer prächtigen steinernen Prozessionskutsche vermittelt.
Auf den ersten Blick wirkt die Komposition beinahe surreal, denn Elefanten und Pferde scheinen sich in unterschiedliche Richtungen zu bewegen – ein faszinierendes Spiel mit Perspektive und Symbolik.
Tempel auf Rädern
Diese außergewöhnliche Gestaltung erinnert an zwei weitere berühmte indische Tempel:
- Konark Sun Temple
- Vittala Temple
Auch dort wurde die Architektur so gestaltet, dass die Tempel wie monumentale Wagen erscheinen.
Miniatur-Nandis und Lotusmuster
Rund um den Hauptschrein verläuft eine Reihe kleiner Nandi-Figuren, die sich mit kunstvoll gestalteten Lotusmotiven abwechseln.
Historische Texte deuten darauf hin, dass diese niedrige Umfassung bewusst so gestaltet wurde, dass sie den Eindruck eines Wasserbeckens um den Tempel erweckt.

Der Tempel als steinerner Wagen – Prächtige Schnitzereien in Form eines Pferdewagens lassen den Airavatesvara-Tempel wie eine monumentale Prozessionskutsche erscheinen. © Shutterstock
Shiva und die Kunst der Chola-Tempel
Wie in vielen Tempeln der Chola Empire findet sich auch im Airavatesvara Temple eine eindrucksvolle Darstellung des Gottes Shiva, der symbolisch aus dem Shiva Linga an der Rückwand des Heiligtums hervortritt.
Die Säulen des Tempels sind überreich mit mythologischen Szenen, Gottheiten und anmutigen Tanzfiguren geschmückt. Wer sich für indische Tempelarchitektur begeistert, kann hier Stunden damit verbringen, immer neue Details zu entdecken.
Liebe zum Detail
Selbst der Wasserspeier, der das geweihte Wasser aus dem Hauptschrein ableitet, ist kunstvoll mit Löwenköpfen verziert.
Besonders bemerkenswert sind außerdem:
- fein gearbeitete vergitterte Steinfenster
- ein umgekehrtes Swastika-Symbol
- geometrische quadratische Muster
Diese ungewöhnlichen Elemente machen den Tempel architektonisch einzigartig.
Spuren ursprünglicher Farben
An einigen Stellen haben sich Reste roter und grüner Farbpigmente erhalten. Sie deuten darauf hin, dass jene Wandflächen, die nicht mit Skulpturen versehen waren, einst farbenprächtig bemalt waren.
Man kann sich leicht vorstellen, wie überwältigend der Tempel in seiner ursprünglichen Gestalt gewirkt haben muss.

Flaggenmast und die Halle der hundert Säulen – Der Dhwaja Sthambha (Flaggenmast) und die imposante Maha-Mandapa mit ihren zahlreichen Säulen gehören zu den architektonischen Höhepunkten des Tempelkomplexes. © Reality Images / Shutterstock
Nandi-Mandapa und singende Stufen
Die Nandi Mandapa des Airavatesvara Temple befindet sich außerhalb des Hauptgopurams. Im Vergleich zum monumentalen Haupttempel wirkt sie überraschend klein und liegt deutlich tiefer als die Plattform des Heiligtums, in dem Shiva verehrt wird.
Dies lässt vermuten, dass sich hier einst ein wesentlich größerer Eingangsturm erhob, von dem heute nur noch wenige Ruinen erhalten sind.
Mystische Yalis
Eine besondere Zierde des Tempels sind die kunstvoll gestalteten Säulenbasen, die mit sogenannten Yalis geschmückt sind.
Diese faszinierenden Mischwesen vereinen verschiedene Tierformen:
- das Gesicht eines Elefanten
- den Körper eines Löwen
- die Ohren eines Schweins
- die Hörner einer Ziege
- den Schwanz einer Kuh
Ähnliche Darstellungen finden sich auch in Group of Monuments at Mahabalipuram.
Die musikalischen Stufen
Berühmt sind auch die Eingangsstufen des Tempels, die beim Betreten unterschiedliche Töne erzeugen – ein beeindruckendes Beispiel für die raffinierte Baukunst der Chola-Zeit.
Heute sind diese „singenden Stufen“ meist durch Wasser geschützt, sodass Besucher dieses außergewöhnliche Klangphänomen leider nicht selbst ausprobieren können.

Gang zum Deivanayaki-Amman-Schrein – Ein stimmungsvoller Korridor führt zum Schrein der Göttin Parvati in ihrer Form als Deivanayaki Amman, direkt neben dem Haupttempel. © Reality Images
Eine berührende Legende
Einer alten Überlieferung zufolge wurde der Airavatesvara Temple erbaut, um den Wunsch einer einfachen Kuhhirtin zu erfüllen.
Sie hatte einen Stein für die Spitze des Brihadisvara Temple, Thanjavur gestiftet – jenes monumentalen Tempels, der als Lieblingsprojekt des Königs galt.
Als Dank hätte sie Reichtum, Land oder andere kostbare Geschenke verlangen können. Doch ihre Bitte war von bemerkenswerter Bescheidenheit: Sie wünschte sich lediglich einen ähnlichen Tempel in ihrem eigenen Dorf.
Werte einer großen Kultur
Diese schöne Legende erzählt weit mehr als nur eine Geschichte.
Sie zeigt, welchen hohen Stellenwert Kunst, Kultur und Religion in jener Zeit einnahmen. Selbst einfache Menschen sahen in einem Tempel nicht nur ein Bauwerk aus Stein, sondern ein Symbol von Spiritualität, Gemeinschaft und kultureller Identität.

Tradition und Eleganz – Eine tamilische Frau in farbenfroher traditioneller Kleidung am Eingang des Airavatesvara-Tempels unterstreicht die lebendige Kultur Südindiens. © Ailisa
