Indien Blog

Brihadeshwara Tempel in Tanjore (Thanjavur), Tamil Nadu, Indien

Eines der beeindruckendsten architektonischen Meisterwerke Südindiens ist der majestätische Granittempel, der dem Gott Shiva geweiht ist: der Brihadisvara Temple, Thanjavur in Thanjavur, einst Hauptstadt der mächtigen Chola Empire. Unternehmen Sie einen Besuch in den frühen Morgenstunden, wenn die ersten Sonnenstrahlen den Tempel in goldenes Licht tauchen. Hinter seinen monumentalen Toren entfaltet sich eine faszinierende Welt voller Kunst, Spiritualität und über tausend Jahren lebendiger Geschichte.

von indienrundreisen.de
Brihadeshwara Temple in Tanjore
Ein zeitloses Meisterwerk – Der Brihadisvara-Tempel in Thanjavur zählt zu den größten und beeindruckendsten Granitbauwerken der Welt.

 
Brihadeshwara Tempel, Tanjore

Der Brihadisvara-Tempel im goldenen Morgenlicht
Wunderbare Architektur
Ein Tempel von kosmischer Harmonie
Symbol imperialer Macht und kultureller Blüte
Ein lebendiger Tempel voller Geschichte
Steinige Geschichte
Wussten Sie schon?
Geschriebene Pracht
Die Magie der Zahl Neun
Hinter der Kunst
Bewahrt für die Ewigkeit
Tanz der Vergangenheit
Meisterhafte Bronzen der Chola-Zeit
Damals & Heute
Übernachtung und praktische Informationen


 

Der Brihadisvara-Tempel im goldenen Morgenlicht

Im sanften Licht des frühen Morgens leuchtet der majestätische Gopuram des Brihadisvara Temple, Gangaikonda Cholapuram wie aus poliertem Gold. Schon beim ersten Anblick entfaltet dieser monumentale Tempel eine beeindruckende Ausstrahlung von Würde, Harmonie und spiritueller Kraft.

Der Tempel ist dem Gott Shiva geweiht und liegt in einem weitläufigen, quadratischen Innenhof, der von mächtigen Tempelmauern umgeben wird.

Im Zentrum erhebt sich der Haupttempel auf einer großen, quadratischen Steinplattform – monumental und zugleich vollkommen ausgewogen.

Jedes Element des Komplexes zeugt von einem außergewöhnlichen Gespür für Proportion, Symmetrie und architektonische Eleganz. Nichts wirkt zufällig; alles folgt einer harmonischen Ordnung, die den Betrachter sofort in ihren Bann zieht.

Der Brihadisvara-Tempel ist nicht nur ein religiöses Heiligtum, sondern auch ein Meisterwerk der Chola-Architektur – ein Ort, an dem Kunst, Spiritualität und mathematische Präzision zu vollendeter Schönheit verschmelzen.

Durch monumentale Toranlagen – Das zweite und dritte Eingangstor führen in den gewaltigen Brihadisvara Temple, Thanjavur und bereiten den Besucher auf eines der größten architektonischen Meisterwerke Südindiens vor. © DR Travel Photo and Video / Shutterstock


Orientierung im Tempelkomplex – Der Lageplan des Brihadisvara-Tempels zeigt die perfekte Symmetrie und die beeindruckende Größe dieser UNESCO-Welterbestätte. © Shutterstock


 

Wunderbare Architektur

Als Rajaraja Chola I um die Wende zum ersten Jahrtausend dieses architektonische Meisterwerk errichten ließ, brach er bewusst mit den traditionellen Regeln des südindischen Tempelbaus.

Das Besondere: Beim Brihadisvara Temple, Thanjavur ist der gewaltige Vimana – der Turm über dem Allerheiligsten – höher und monumentaler als der Gopuram, der reich verzierte Eingangsturm. Dies ist eine außergewöhnliche Besonderheit, denn bei den meisten südindischen Tempeln dominiert normalerweise der Gopuram.

Von innen nach außen erbaut

Noch erstaunlicher ist die Bauweise des Tempels. Die Meisterhandwerker errichteten das Heiligtum von innen nach außen.

Zuerst wurde der Shiva Linga im innersten Sanctum aufgestellt. Anschließend entstand darüber der monumentale Tempelturm. Erst danach wurden die überdachten Umgangshallen und die umliegenden Strukturen ergänzt.

Diese ungewöhnliche Methode unterstreicht die zentrale Bedeutung des göttlichen Symbols, um das sich der gesamte Tempel aufbaut.

Später hinzugefügte Heiligtümer

Die monumentale Statue von Nandi, dem heiligen Bullen Shivas, sowie das Bali Peedam (Opferaltar) und der Dhwaja Sthambham (Fahnenmast) wurden erst zu einem späteren Zeitpunkt ergänzt.

Farben, die Jahrhunderte überdauern

An den Decken und Wänden des Tempels haben sich beeindruckende Fresken erhalten. Ihre Farben leuchten auch nach über tausend Jahren noch erstaunlich lebendig und geben einen faszinierenden Einblick in die künstlerische Blütezeit der Chola-Dynastie.

Kunst aus Stein – Fein gearbeitete Skulpturen aus der Chola-Zeit schmücken die Mauern des Tempels und zeugen von außergewöhnlicher handwerklicher Meisterschaft. © ajijchan / Shutterstock


Ein Tempel von kosmischer Harmonie

Erstaunlicherweise wurde der monumentale Brihadisvara Temple, Thanjavur in nur fünf Jahren vollendet – eine technische und organisatorische Meisterleistung, die bis heute Bewunderung hervorruft.

Sein Bau folgte den jahrtausendealten Prinzipien der Agamas und der Vastu Shastra. Diese Schriften definieren nicht nur architektonische Regeln, sondern auch die spirituelle Symbolik eines Tempels als Abbild des Universums.

Wächter der acht Himmelsrichtungen

Der Brihadisvara-Tempel gehört zu den wenigen Tempeln Indiens, in denen die Ashta-Dikpalakas dargestellt sind – die göttlichen Wächter der acht Himmelsrichtungen:

  • Indra
  • Agni
  • Yama
  • Nirriti
  • Varuna
  • Vayu
  • Kubera
  • Ishana

Das Karuvarai – Der heilige „Mutterleib“

Das innerste Heiligtum des Tempels wird Karuvarai genannt. Das Wort leitet sich von „Karu“ ab, was „Mutterleib“ bedeutet.

Nur Priester dürfen diesen heiligsten Raum betreten.

Der Karuvarai wurde als Ort vollkommener Harmonie und absoluten Gleichgewichts konzipiert – ein spiritueller Mikrokosmos des gesamten Universums.

Im Zentrum dieses heiligen Raumes steht das Symbol der höchsten göttlichen Kraft: der Shiva Linga.

Der monumentale Shiva-Linga im Allerheiligsten – Im Herzen des Brihadisvara Temple, Thanjavur befindet sich ein außergewöhnlicher Shiva Linga, dessen majestätische Größe und vollkommene Proportionen eine kraftvolle spirituelle Präsenz ausstrahlen. Der Linga ist die nicht-ikonische Darstellung des Gottes Shiva. Besonders bemerkenswert ist, dass der Hauptlinga zusammen mit dem darüber aufragenden Srivimana so konzipiert wurde, dass er einen heiligen Raum einschließt. Dieser Raum symbolisiert das subtilste aller Elemente – den allumfassenden Raum selbst – und soll vollständig von Shivas göttlicher Gegenwart durchdrungen sein. Zugleich verweist dieser heilige Innenraum auf Nataraja, auch Adalvallan genannt, Shiva als kosmischer Tänzer. © Shutterstock


Symbol imperialer Macht und kultureller Blüte

Das mächtige Chola Empire erstreckte sich einst von Odisha im Norden bis nach Sri Lanka im Süden. Unter Rajaraja Chola I erreichte das Reich eine bis dahin ungeahnte Größe. Als visionärer Herrscher und erfolgreicher Eroberer dehnte er nicht nur sein Territorium aus, sondern verbreitete auch die Sprache, Kunst und Kultur der Tamilen weit über die Grenzen Südindiens hinaus.

Der Brihadisvara Temple, Thanjavur wurde errichtet, um diese Macht eindrucksvoll sichtbar zu machen. Gleichzeitig symbolisierte er die enge Verbindung des Königs mit der kosmischen Ordnung und der göttlichen Kraft des Gottes Shiva.

Mehr als ein Tempel

Der Brihadisvara-Tempel war weit mehr als ein religiöses Heiligtum. Er diente als Bühne für bedeutende Staatszeremonien, darunter die feierliche Salbung und Krönung der Chola-Herrscher.

Zugleich verkörperte er den Reichtum des Reiches sowie die außergewöhnliche künstlerische und technische Meisterschaft seiner Baumeister.

Ein Zentrum für Musik und Tanz

Der Tempel war auch ein lebendiges kulturelles Zentrum. Bei Besuchen ausländischer Gesandter und Würdenträger fanden hier prachtvolle Tanz- und Musikaufführungen statt.

Die offene Architektur, die harmonischen Proportionen und die hervorragende natürliche Akustik schufen eine eindrucksvolle Kulisse für klassische Darbietungen.

Bis heute erwacht dieser außergewöhnliche Ort bei besonderen Veranstaltungen gelegentlich wieder zum Leben und erfüllt sich mit Musik, Tanz und spiritueller Atmosphäre.

Meisterhaftes Flachrelief im Brihadisvara-Tempel – Dieses kunstvolle Flachrelief im Brihadisvara Temple, Thanjavur in Thanjavur zeigt eine klassische Form der Bildhauerkunst, bei der Gesichter und Figuren mit geringerer Tiefe als in der Natur dargestellt werden. Trotz der flachen Ausarbeitung bleiben die natürlichen Konturen vollständig erhalten. Dadurch wirken die Figuren aus verschiedenen Blickwinkeln harmonisch und lebendig, ohne dass ihre Proportionen verzerrt erscheinen. © randomclicks / Shutterstock


Ein lebendiger Tempel voller Geschichte

Was den Brihadisvara Temple, Thanjavur besonders faszinierend macht, ist die Tatsache, dass er auch nach mehr als tausend Jahren noch immer ein aktiver Ort des Glaubens ist. Täglich finden hier Rituale, Gebete und feierliche Zeremonien statt – eine bemerkenswerte Kontinuität, die bei Monumenten dieses Alters äußerst selten ist.

Der Tempel ist nicht nur hervorragend erhalten, sondern erfüllt bis heute seine ursprüngliche Bestimmung als lebendiges Heiligtum des Gottes Shiva.

Eine kleine Stadt in sich selbst

Zur Blütezeit der Chola war der Tempel weit mehr als ein religiöses Zentrum. Er war eine eigene Welt mit einer Belegschaft von rund 1.000 Menschen.

Neben den Brahmanenpriestern arbeiteten hier unter anderem:

  • Buchhalter und Archivare
  • Musiker und Tänzer
  • Gelehrte und Forscher
  • Bildhauer und Handwerker
  • Reinigungskräfte und Verwalter

Zentrum des wirtschaftlichen Lebens

Rund um den Tempel herrschte reges Treiben. Händler aus der Umgebung brachten Blumen, Milch, Öl und Ghee, die für tägliche Pujas und große Tempelfeste benötigt wurden.

So entwickelte sich der Tempel zu einem bedeutenden wirtschaftlichen und sozialen Mittelpunkt der Region.

Vergangenheit und Gegenwart

Noch heute erfüllt das Läuten der Glocken, der Duft von Weihrauch und das Murmeln der Gebete diesen monumentalen Bau mit Leben.

Zeitlose Steinmetzkunst – Die monumentalen Figuren des Tempels spiegeln die künstlerische Blüte der Chola Empire wider. © ajijchan / Shutterstock


 

Steinige Geschichte

Das erste, was beim Anblick des Brihadisvara Temple, Thanjavur sofort ins Auge fällt, ist der majestätische Vimana – der gewaltige Turm über dem Allerheiligsten, in dem ein kolossaler Shiva Linga verehrt wird.

Mit einer Höhe von beeindruckenden 60,96 Metern ragt dieser monumentale Turm weit über die flache Landschaft von Thanjavur hinaus und ist schon aus großer Entfernung sichtbar.

Ein Wunder aus Granit

Der gesamte Tempel, einschließlich des Vimana, wurde aus massivem Granit errichtet – ein Material, das in der Umgebung von Thanjavur gar nicht vorkommt.

Die Region ist überwiegend eben und besitzt keine natürlichen Felsformationen. Archäologen gehen daher davon aus, dass die riesigen Granitblöcke aus dem etwa 20 Kilometer entfernten Pudukottai herangeschafft wurden.

Eine gewaltige logistische Leistung

Man stelle sich die Herausforderung vor: Tonnen schwere Steinblöcke mussten ohne moderne Maschinen transportiert, präzise behauen und millimetergenau aufeinandergesetzt werden.

Jeder einzelne Stein wurde sorgfältig in Form gebracht und mit außergewöhnlicher Präzision in das Gesamtbauwerk eingefügt.

Magische Abendstimmung – Im Licht der Dämmerung entfaltet der Brihadisvara-Tempel eine besonders eindrucksvolle Atmosphäre. © VSanandhakrishna / Shutterstock


 

Wussten Sie schon?

  • Rund 180.000 Tonnen Granit wurden benötigt, um den monumentalen Brihadisvara Temple, Thanjavur zu errichten.
  • Der Legende nach bauten die Arbeiter eine etwa sechs Kilometer lange Rampe, um die tonnenschweren Steinblöcke bis auf die Spitze des gewaltigen Vimana zu transportieren.
  • Der Tempel wurde zwischen 1003 und 1010 n. Chr. unter Rajaraja Chola I erbaut und im Jahr 1010 feierlich geweiht.
  • Der Name Brihadisvara bedeutet „Der große Gott“ und bezieht sich auf Shiva.
  • Die Einheimischen nennen den Tempel liebevoll Periya Koil, was auf Tamil „Großer Tempel“ bedeutet.
  • Der Tempelkomplex erstreckt sich über eine riesige Fläche und zählt zu den größten vollständig aus Granit errichteten Bauwerken der Welt.
  • Der berühmte Vimana erhebt sich auf fast 200 Fuß (rund 61 Meter) und dominiert die Landschaft von Thanjavur.
  • Die Künstler verwendeten natürliche Pflanzenfarben, um die Wandmalereien zu gestalten.
  • Die Fresken an den Wänden des Allerheiligsten erzählen in beeindruckenden Details von der Geschichte, dem Alltag und der kulturellen Blütezeit des Chola Empire.

Götter am Gopuram – Auf den Wänden des Tempelturms wachen kunstvoll gestaltete Gottheiten über das Heiligtum. © Jayakumar / Shutterstock


 

Geschriebene Pracht

Die mehr als hundert Inschriften des Brihadisvara Temple, Thanjavur gehören zu den wertvollsten historischen Zeugnissen Südindiens. Sorgfältig in die Tempelwände eingraviert, wurden die meisten in alter tamilischer Schrift verfasst und erzählen von einer glanzvollen Epoche voller Reichtum, Kunst und spiritueller Hingabe.

Die Inschriften dokumentieren detailliert die großzügigen Stiftungen von Rajaraja Chola I, seinen Königinnen, seinem berühmten Sohn Rajendra Chola I und weiteren Mitgliedern der königlichen Familie. Gespendet wurden Land, Gold, Edelsteine und andere kostbare Güter, die dem Tempel dauerhaft Wohlstand sicherten.

Ein Zentrum der Künste

Die Epigraphen offenbaren auch, dass der Tempel ein bedeutendes Zentrum für Musik und Tanz war. Zahlreiche Musikerinnen, Musiker und Tänzerinnen standen im Dienst des Tempels und genossen innerhalb der Gesellschaft hohes Ansehen.

Mit ihren Darbietungen ehrten sie täglich den Gott Shiva, während der König ihre Kunst großzügig förderte.

Besonders bemerkenswert ist, dass zwei lange Straßen mit zahlreichen Häusern eigens für die rund 400 Tempeltänzerinnen bereitgestellt wurden.

Geschichte in Stein

Diese Inschriften sind weit mehr als bloße Texte. Sie sind ein lebendiges Archiv, das Einblicke in das religiöse, wirtschaftliche und kulturelle Leben des Chola-Reiches gewährt.

Lebendige Spiritualität – Ein Priester steht neben Ganesha und unterstreicht, dass der Tempel bis heute ein aktiver Ort des Glaubens ist. © AJP / Shutterstock


 

Die Magie der Zahl Neun

Im Brihadisvara Temple, Thanjavur spielt die Zahl Neun eine besondere Rolle. Rajaraja Chola I – dessen Geburtsname Arulmozhivarman lautete – betrachtete die Neun als Glückszahl und ließ dieses Symbol bewusst in die Architektur des Tempels einfließen.

Viele Maße und Gestaltungsdetails folgen Zahlen, die ein Vielfaches von neun sind.

So erreicht der monumentale Vimana eine Höhe von 60,96 Metern – ein Maß, das auf symbolische Weise mit dieser heiligen Zahl in Verbindung gebracht wird.

Ebenso schmücken nicht weniger als 108 kleine Nandi-Figuren den Tempelkomplex. Die Zahl 108 gilt im Hinduismus als besonders heilig und ist ein Vielfaches von neun.

Symbolik und Harmonie

In der indischen Tradition stehen Zahlen nicht nur für mathematische Werte, sondern auch für spirituelle Prinzipien. Die bewusste Verwendung der Neun und ihrer Vielfachen verleiht dem Tempel eine zusätzliche Ebene symbolischer Bedeutung und kosmischer Ordnung.

Shiva-Lingams und jahrhundertealte Wandmalereien – Entlang der inneren Mauer des nördlichen Ganges im Brihadisvara Temple, Thanjavur stehen zahlreiche Shiva Lingame vor eindrucksvollen Nayaka-Malereien. Die Arkaden rund um den Ardhamandapa, den inneren Umgang des Tempels, bergen kostbare Fresken aus der Chola-Zeit. Diese wurden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt und zeigen neben religiösen Motiven auch zahlreiche weltliche Szenen sowie Darstellungen der Lehren des Shaivismus. © RealityImages / Shutterstock


 

Hinter der Kunst

Der Brihadisvara Temple, Thanjavur beeindruckt nicht nur durch seine monumentale Architektur, sondern auch durch seine außergewöhnlichen Wandmalereien aus der frühen Chola-Zeit des 11. Jahrhunderts.

Im dämmrigen Umgang rund um das Allerheiligste entfalten sich kostbare Fresken, deren Farben auch nach über tausend Jahren noch erstaunlich lebendig wirken. Die Künstler verwendeten natürliche Pflanzenfarben, um diese Meisterwerke zu schaffen.

Geschichten aus Stein und Farbe

Die Malereien erzählen von der Welt der Cholas und geben faszinierende Einblicke in das religiöse und gesellschaftliche Leben jener Epoche.

Besonders eindrucksvoll sind Szenen mit Shiva:

  • Shiva als Tripurantaka, der die Festungen der Dämonen zerstört
  • Shiva in seiner kosmischen Tanzform
  • Shiva, der einen weißen Elefanten sendet, um einen treuen Anhänger in den Himmel zu geleiten

Die Schlacht gegen die Asuras

Eine der faszinierendsten Darstellungen zeigt den dramatischen Kampf zwischen Tripurantaka und den Asura.

Bemerkenswert ist dabei die ungewöhnlich elegante und anmutige Darstellung der Asura-Frauen – ein seltenes Motiv in der indischen Mythologie, das den Fresken zusätzliche künstlerische Raffinesse verleiht.

Segen des Tempel-Elefanten – In südindischen Tempeln gilt der Segen eines Elefanten als besonders glückverheißend. © CRS PHOTO / Shutterstock


Bewahrt für die Ewigkeit

Viele der kostbaren Wandmalereien im Brihadisvara Temple, Thanjavur litten im Laufe der Jahrhunderte unter Rauch, Ruß und dem regelmäßigen Abbrennen von Kampferlampen. Die ständige Nutzung des Tempels als aktiver Ort der Verehrung hinterließ unweigerlich ihre Spuren.

Vor etwa 400 Jahren ließen die Herrscher der Thanjavur Nayak dynasty die ursprünglichen Chola-Fresken mit eigenen Wandmalereien überdecken. Dadurch gerieten die älteren Kunstwerke für lange Zeit in Vergessenheit.

Eine weltweit einzigartige Restaurierung

Dem Archaeological Survey of India (ASI) gelang es später, mithilfe eines außergewöhnlichen De-Stucco-Verfahrens die übermalten Chola-Fresken behutsam freizulegen und insgesamt 16 wertvolle Bilder zu restaurieren.

Diese aufwendige Technik gilt als weltweit einzigartig und stellt einen bedeutenden Meilenstein in der Restaurierung historischer Kunstwerke dar.

Zwei Epochen, zwei Kunstwelten

Die etwa 400 Jahre alten Nayak-Malereien wurden sorgfältig erhalten und werden heute in einem separaten Pavillon auf Fiberglasplatten präsentiert.

So können Besucher sowohl die ursprünglichen Fresken der Chola-Zeit als auch die späteren Werke der Nayak-Dynastie bewundern.

Lebendiger Glaube am Eingang des Brihadisvara-Tempels – Hinduistische Pilger versammeln sich am ersten Tor des Brihadisvara Temple, Thanjavur in Thanjavur. Der Tempel ist nicht nur ein bedeutendes historisches Monument, sondern bis heute ein lebendiger Ort des Glaubens. Seine jahrhundertealten Traditionen, seine beeindruckende Kunst und seine monumentale Architektur ziehen Gläubige ebenso wie kulturinteressierte Besucher aus aller Welt an. Besonders an Festtagen erfüllt geschäftiges Treiben den gesamten Tempelkomplex. Vor den Toren bieten Blumenhändler, Girlandenverkäufer und Spielzeugmacher ihre farbenfrohen Waren an und verleihen dem Ort eine einzigartige Atmosphäre. © cornfield / Shutterstock


 

Tanz der Vergangenheit

Ein besonders faszinierendes Detail des Brihadisvara Temple, Thanjavur ist die eindrucksvolle Reihe von Skulpturen, die sogenannte Karanas darstellen – die klassischen Tanzhaltungen, wie sie im Natya Shastra beschrieben werden, dem grundlegenden Werk über indischen Tanz und Theater.

Ursprünglich waren 108 Karanas vorgesehen, entsprechend den traditionellen Bewegungsformen des klassischen Tanzes. Heute sind noch 81 dieser kunstvoll gemeißelten Figuren erhalten.

Shiva als kosmischer Tänzer

Jede Skulptur zeigt Shiva in seiner göttlichen Form als Nataraja – den Herrn des Tanzes.

Mit vier Armen und in unterschiedlichen, dynamischen Posen verkörpert jede Figur eine einzigartige Bewegung voller Energie, Anmut und spiritueller Symbolik.

Ein weltweit einzigartiges Ensemble

Die Darstellung dieser Karanas in solcher Qualität und Geschlossenheit ist außergewöhnlich und macht den Brihadisvara-Tempel zu einem bedeutenden Bindeglied zwischen Architektur, Skulptur und klassischem indischem Tanz.

Wandmalereien der Chola-Zeit – Kostbare Fresken auf den Tempelwänden geben Einblicke in die Kunst und Kultur vor über tausend Jahren. © AJP / Shutterstock


Meisterhafte Bronzen der Chola-Zeit

Die Chola Empire ist weltberühmt für ihre außergewöhnlichen Bronzeplastiken, die zu den schönsten Meisterwerken der indischen Kunstgeschichte zählen. Mit erstaunlicher Eleganz und Ausdruckskraft schufen die Künstler dieser Epoche lebendige Darstellungen der Götter und Göttinnen des Hindu-Pantheons.

Besonders verehrt wurde NatarajaShiva als kosmischer Tänzer und Lieblingsgottheit der Chola-Herrscher.

Die berühmte Nataraja-Bronze gilt bis heute als eine der vollkommensten Darstellungen göttlicher Bewegung und spiritueller Energie.

Königliche Stiftungen

Rajaraja Chola I und seine Familie stifteten zahlreiche kostbare Bronzeabbildungen an den Brihadisvara Temple, Thanjavur.

Diese Figuren wurden bei Prozessionen, Festen und religiösen Zeremonien verehrt und durch die Tempelhöfe getragen.

Kunst von zeitloser Schönheit

Einige dieser historischen Bronzen sind bis heute erhalten geblieben und vermitteln einen faszinierenden Eindruck von der technischen Perfektion und künstlerischen Sensibilität der Chola-Meister.

Der monumentale Nandi aus einem einzigen Steinblock – Im Brihadisvara Temple, Thanjavur ist alles von beeindruckender Größe – besonders der gewaltige Nandi, das heilige Reittier des Gottes Shiva. Die monumentale Statue aus schwarzem Granit wurde aus einem einzigen Steinblock gehauen und misst etwa 4 Meter in der Höhe, 6,5 Meter in der Länge und 6 Meter in der Breite. Mit einem Gewicht von rund 25 Tonnen gilt sie als der zweitgrößte Nandi Indiens. Über der Nandi Mandapam, der Halle, in der die Statue steht, leuchten farbenprächtige Fresken, die über 1.000 Jahre alt sind und bis heute nichts von ihrer Schönheit verloren haben. © Shutterstock


 

Damals & Heute

Als der Brihadisvara Temple, Thanjavur im Jahr 1010 n. Chr. – am 275. Tag des 25. Regierungsjahres von Rajaraja Chola I – feierlich geweiht wurde, war er zweifellos das beeindruckendste architektonische Meisterwerk des gesamten Chola Empire.

Mehr als tausend Jahre später hat dieser monumentale Tempel nichts von seiner Faszination verloren. Jahr für Jahr zieht er Besucher aus ganz Indien und aus allen Teilen der Welt in seinen Bann.

Vollkommene Harmonie

Der Tempel ist ein herausragendes Beispiel dafür, wie Größe, Präzision und Komplexität zu vollkommener Harmonie verschmelzen können.

Kein Stein, keine Skulptur, keine Säule und kein Weg wirkt zufällig. Jedes Element fügt sich in ein ausgewogenes Gesamtkunstwerk ein, dessen Proportionen bis heute Bewunderung hervorrufen.

Ein lebendiges Weltkulturerbe

Heute gehört der Tempel zum UNESCO-Welterbe und ist Teil der berühmten Great Living Chola Temples.

Der Begriff „Living“ ist dabei wörtlich zu verstehen: Noch immer ist der Tempel ein aktiver Ort des Glaubens, an dem täglich Gebete und Rituale stattfinden.

Geschichte in Stein gemeißelt – Der Brihadisvara Temple, Thanjavur ist der einzige Tempel in Indien, in dessen Inschriften Rajaraja Chola I ausdrücklich hervorhebt, dass das gesamte Bauwerk vollständig aus Stein errichtet wurde – auf Tamil „Kattrali“ („Kal“ bedeutet Stein, „Tali“ Tempel). Dieses monumentale Werk umfasst 107 Abschnitte und schildert eindrucksvoll, wie der König im 11. Jahrhundert aus seiner königlichen Badehalle im östlichen Teil des Palastes Anweisungen gab, welche Texte am Fuß des Vimana eingraviert werden sollten, wie der Bau ausgeführt wurde und welche Stiftungen er selbst, seine Schwester Kundavai, seine Königinnen und viele andere dem Tempel widmeten.
Die Inschriften verzeichnen 66 prachtvolle Bronzeabbildungen von Göttern und Göttinnen sowie deren kostbaren Schmuck aus Gold, Diamanten, Smaragden, Saphiren, Rubinen und Perlen. Sogar die exakten Maße jeder Figur, die Anzahl ihrer Arme und die Symbole in ihren Händen wurden sorgfältig festgehalten. Heute sind nur noch zwei dieser Bronzen im Tempel erhalten geblieben: Nataraja, Shiva als kosmischer Tänzer, und seine Gefährtin Parvati in ihrer Form als Sivakami. Der einstige Schmuck ist verschwunden.
Darüber hinaus dokumentieren die Inschriften goldene Gefäße, deren Gewicht und Form, und sogar einen kleinen Löffel (Nei Muttai) zum Schöpfen von Ghee. Ebenso werden Reinigungskräfte, Flaggenträger, Fackelträger für nächtliche Prozessionen, Köche, Tänzer, Musiker und Sänger erwähnt. Diese außergewöhnlichen Aufzeichnungen machen den Tempel zu einem einzigartigen Archiv des religiösen, kulturellen und alltäglichen Lebens im Chola-Reich. © Shutterstock


Der heilige Banyan-Baum – Symbol des ewigen Lebens – Der majestätische Banyan (Ficus benghalensis) im Brihadisvara Temple, Thanjavur ist weit mehr als nur ein beeindruckender Baum. In vielen Kulturen gilt der Baum als Symbol für Leben, Erneuerung, Wiederauferstehung und heiliges Wissen. Seit frühester Zeit verehrten Menschen Bäume als Quelle von Schutz, Nahrung, Kleidung und Werkzeugen. In den Mythologien griechisch-römischer, keltischer und germanischer Kulturen wurden ihnen sogar göttliche Kräfte zugeschrieben.
In Indien besitzt der Banyan-Baum seit Jahrhunderten eine besondere religiöse Bedeutung. Seine weit ausladenden Äste bilden zusätzliche Luftwurzeln, die sich erneut im Boden verankern und so den Eindruck eines endlosen Lebens vermitteln. Diese herabhängenden Wurzeln gelten als Symbol für Unsterblichkeit und ein langes Leben.
Verheiratete Frauen fasten traditionell einen ganzen Tag unter dem Banyan-Baum und verrichten Pujas, um für ein langes, glückliches und gesundes Leben ihrer Ehemänner zu beten. Als Opfergaben schmücken sie den Baum mit Glasarmreifen und anderen persönlichen Gaben.
Auch für andere Religionen ist der Banyan heilig: Buddhisten verehren ihn, weil Gautama Buddha sieben Tage unter einem solchen Baum meditierte. Im Jainismus gilt er als heiliger Baum, da Rishabhanatha unter ihm vollkommene Erkenntnis erlangt haben soll.
Darüber hinaus spielt der Banyan auch im Alltag eine wichtige Rolle: Seine Blätter dienen als Futter für Elefanten oder werden zu Tellern verarbeitet. Vögel, Affen und Fledermäuse ernähren sich von seinen Früchten, und die kräftigen Luftwurzeln werden zur Herstellung von Zeltstangen und Wagenjochen genutzt. © Shutterstock


 

Übernachtung und praktische Informationen

Übernachten in Thanjavur

Thanjavur bietet eine große Auswahl an Unterkünften für jedes Budget – von einfachen Gästehäusern über komfortable Hotels bis hin zu charmanten Heritage-Hotels mit historischem Flair.

Ein kulinarischer Geheimtipp ist die traditionsreiche Venkata Lodge an der Gandhiji Road. Seit 1926 werden hier klassische südindische Gerichte serviert, darunter das berühmte vegetarische Bananenblatt-Menü.

Besonders beliebt sind die frisch zubereiteten Nachmittags-Snacks, die gegen 16 Uhr serviert werden – darunter Halwa, Pakoras und knusprige Bajjis.

Besuch des Brihadisvara-Tempels

Der Brihadisvara Temple, Thanjavur ist täglich geöffnet:

  • 06:00 bis 12:30 Uhr
  • 16:00 bis 20:30 Uhr

Unser Tipp

Besuchen Sie den Tempel möglichst früh am Morgen.

Zu dieser Tageszeit herrscht eine beinahe meditative Stille. Nur das Zwitschern der Vögel und das sanfte Rauschen des kühlen Morgenwinds begleiten Ihren Rundgang.

Im weichen Licht der aufgehenden Sonne entfaltet der Tempel eine ganz besondere Atmosphäre – und bietet zugleich ideale Bedingungen für beeindruckende Fotografien.

Anreise

  • Chennai International Airport liegt etwa 350 Kilometer von Thanjavur entfernt.
  • Der nächstgelegene Flughafen ist Tiruchirappalli International Airport (Trichy), nur etwa 54 Kilometer entfernt.

Share this post

0 0 votes
Artikel Bewertung
Anmelden
Notify of
guest
0 Kommentare
Älteste
Neueste Most Voted