Es ist erstaunlich leicht, die versteckte Zufahrt zur Sunder Nursery zu übersehen. Während draußen das geschäftige Leben auf der belebten Mathura Road pulsiert, öffnet sich hier plötzlich eine ganz andere Welt. Die Straße führt vorbei an einem Kreisverkehr, in dessen Mitte sich der markante Nila Gumbad mit seiner blauen Kuppel erhebt – ein stiller Zeuge vergangener Jahrhunderte. In unmittelbarer Nähe zieht das majestätische Humayun-Grab Besucher aus aller Welt an, während auf der gegenüberliegenden Seite Pilger durch die engen Gassen zum Schrein von Hazrat Nizamuddin Auliya strömen. Fast unbemerkt zweigt eine ruhige, von Bäumen gesäumte Straße ab – und nur wenige hundert Meter später erreicht man die grüne Oase der Sunder Nursery.
Doch Sunder Nursery ist weit mehr als nur ein Park. Dieses historische Areal blickt auf eine faszinierende Vergangenheit zurück, die bis in die Zeit der Mogulherrscher reicht. Ursprünglich als Azim Bagh bekannt, diente es einst als prachtvoller Mogulgarten im Umfeld von Nizamuddin Basti und dem Humayun-Grab. Heute erzählen über 100 historische Monumente von der bewegten Geschichte dieses Ortes – einige davon stammen sogar aus dem 14. Jahrhundert.
Einst verlief hier auch die berühmte Grand Trunk Road, eine der ältesten Handelsrouten Asiens, die Humayuns Grab mit dem Purana Qila verband. Entlang dieser Strecke wurde der Azimganj Sarai errichtet – eine historische Karawanserei, die Reisenden, Pilgern, Händlern und Handwerkern Unterkunft bot.
Ein Spaziergang durch die Sunder Nursery ist daher wie eine Reise durch die Jahrhunderte: prachtvolle Gartenanlagen, restaurierte Grabmäler, stille Wasserbecken und blühende Landschaften verschmelzen zu einem der schönsten und zugleich unterschätztesten Orte Delhis.

Frühlingshütten – Eine urige Holzhütte hängt an einem Ast und fügt sich harmonisch in die sanfte Atmosphäre des Frühlings in Delhi ein. © Lotus India
Mit dem Niedergang des Mogulreiches begann auch für die prachtvollen Gärten und historischen Bauwerke der heutigen Sunder Nursery eine Zeit des Verfalls. Einst sorgfältig angelegte Gartenlandschaften verwilderten, Monumente gerieten in Vergessenheit und verschwanden nach und nach unter Staub, Wildwuchs und den Spuren der Zeit.
Erst als die Briten ihre Hauptstadt von Kalkutta nach Delhi verlegten, erhielt das Gelände eine neue Bestimmung. Sie richteten hier eine Baumschule ein, in der Pflanzen und Bäume für die Alleen, Parks und Gärten der neuen Hauptstadt gezogen wurden – daher stammt auch der heutige Name Sunder Nursery. Als treibende Kraft hinter dieser Anlage gilt Sydney Percy-Lancaster, Mitglied einer berühmten britischen Gärtnerdynastie, die den Gartenbau in Indien nachhaltig prägte. Seit den 1940er Jahren wurden hier zudem regelmäßig botanische Feldversuche durchgeführt und neue Pflanzenarten kultiviert.
Doch trotz dieser Nutzung blieb vieles von der historischen Substanz über Jahrzehnte verborgen. Zahlreiche Denkmäler verfielen weiter, und der einstige Glanz des Areals schien verloren.
Vor rund einem Jahrzehnt begann schließlich eine beeindruckende Wiedergeburt: Der Aga Khan Trust for Culture übernahm die anspruchsvolle Aufgabe, die Sunder Nursery umfassend zu restaurieren, historische Bauwerke zu sichern und das Gelände als einzigartigen Stadtpark neu zu gestalten. Ziel war es, nicht nur Denkmäler zu retten, sondern zugleich die Lebensqualität der umliegenden Bevölkerung zu verbessern und einen grünen Rückzugsort mitten in Delhi zu schaffen.
Mit großer Sorgfalt und nach internationalen Standards – wie bereits bei Projekten in Kabul, Kairo, Sansibar, Aleppo, Mali und anderen Städten bewiesen – verwandelte der Aga Khan Trust die Sunder Nursery in ein Vorzeigeprojekt urbaner Denkmalpflege. Heute verbindet dieser außergewöhnliche Ort Geschichte, Natur und modernes Stadtleben auf eindrucksvolle Weise und zählt zu den schönsten grünen Oasen Delhis.

Rosenblüte – Rosa Rosen blühen im Frühling üppig und trotzen dabei der sonst so sengenden Hitze Delhis. © Lotus India
Diese aufwendigen Restaurierungsarbeiten waren Teil einer weitreichenden Stadterneuerungsinitiative, bei der rund 50 historische Bauwerke im Gebiet rund um Nizamuddin, Humayun-Grab und Sunder Nursery sorgfältig gesichert und restauriert wurden. Das Ergebnis ist beeindruckend: Ein Dutzend dieser Monumente wurde von der UNESCO als Erweiterung des Weltkulturerbes rund um Humayuns Grab anerkannt.
Allein in der Sunder Nursery befinden sich sechs bedeutende Denkmäler dieser Liste: der elegante Sunderwala Burj, das prachtvolle Sunderwala Mahal, der Lakkarwala Burj, das Grab von Mirza Muzaffar Hussain, das Chota Batashewala Mahal sowie ein geheimnisvolles, bislang namenloses Mogulgrab. Jedes dieser Bauwerke erzählt seine eigene Geschichte und lässt Besucher tief in die glanzvolle Epoche der Mogularchitektur eintauchen.
Darüber hinaus beherbergt die Anlage neun weitere historische Monumente, darunter einen charmanten Gartenpavillon aus dem 18. Jahrhundert. Dieser entwickelte sich nach der Wiedereröffnung des Parks schnell zu einem beliebten Treffpunkt für Geschichtsinteressierte, Spaziergänger und Kulturfreunde.
Heute ist die Sunder Nursery weit mehr als nur ein Park – sie ist ein lebendiges Freilichtmuseum, in dem prachtvolle Gartenlandschaften, jahrhundertealte Architektur und moderne Stadtkultur auf einzigartige Weise verschmelzen.

Der Charme der Floribunda – Zarte rosa-weiße Floribunda-Blüten erhellen das milde Frühlingswetter in Neu-Delhi. © Lotus India

Schätze der Vergangenheit – Sechs Bauwerke auf dem Gelände der Gärtnerei, darunter der elegante Lakkarwala Burj, gehören heute stolz zum UNESCO-Weltkulturerbe. © Lotus India

Ein Blick in die Geschichte – Die Landschaft der Sunder Nursery aus dem 16. Jahrhundert, die ruhig neben Humayuns Grabmal in Neu-Delhi liegt. © Azhar_khan

Wiederbelebtes Handwerk – Die einst verfallenen Denkmäler wurden liebevoll restauriert, wobei aufwendige Gitterwerke und Inschriften sorgfältig nachgebildet wurden. © Hina Sultan

Grüne Pracht – Die weitläufigen Rasenflächen und makellos gepflegten Gärten rund um Sunder Burj. © Sr Michelle Mathias

Frühlingsfarben – Besucher halten inne, um die Blütenpracht zu bewundern, die die Sunder Nursery jedes Frühjahr in schillernde Farben taucht. © Dheeraj Arora

Der Mughal Gumbad – Eine Kuppel aus dem 16. Jahrhundert im Sunder Nursery, ebenso alt und geschichtsträchtig wie das benachbarte UNESCO-Weltkulturerbe. © Azhar_khan

Ein wiederbelebter Garten – Die restaurierte Sunder Nursery empfängt Besucher mit Delhis erstem Arboretum, einem glitzernden See und farbenprächtigen Blumengärten. © Azhar_khan

Am Ufer – Eine ruhige Bank am Seeuferweg, ideal für eine kleine Auszeit inmitten der Ruhe von Sunder Nursery. © Azhar_khan

Ein seltener Anblick – Eine majestätische Schleiereule ruht auf einem Ast und verleiht der Sunder Nursery etwas Geheimnisvolles. © Azhar_khan

Begleiter der Ruinen – Straßenhunde sonnen sich träge vor einem der sechs von der UNESCO anerkannten Denkmäler und verleihen der historischen Kulisse zusätzlichen Charme. © Azhar_khan

Flüstern des Wachturms – Die eindringlichen Ruinen einer Wachfestung in Sunder Nursery, ein stiller Wächter neben Humayuns Grabmal. © Azhar_khan

Ein Spaziergang durch die Zeit – Sandsteinwege und von der Mogul-Architektur inspirierte Wasserspiele prägen das imposante zentrale Panorama und erinnern an den Verlauf der alten Grand Trunk Road. © Marius Ruhnau

Ein gefiederter Besucher – Ein winziger gelb-grüner Bienenfresser sitzt anmutig auf einem Seil und genießt die Frühlingsluft. © Lotus India
